10 Streetfotografie-Tips unter die Lupe genommen

nebelkids 1

wie ja die meisten meiner Leser wissen, widme ich mich fotografisch hauptsächlich der Streetfotografie. Das bedingt auch, dass ich im Netz dazu surfe und vieles lese. So bin ich kürzlich auf ein tolles Projekt gestossen, welches völlig aus einer privaten Initiative heraus ein Deutsches Streetfotografie Magazin entstehen ließ. www.streetmagazin.com .

 

Und dann fand ich bei FB Tips zur Streetfotografie, die es wirklich zur Genüge gibt. Aber der Titel von Matin Waltz aus Berlin reizte mich, denn er schien kritisch mit dem Thema umzugehen und vielleicht war das ja ganz amüsant... https://streetberlin.net/street-photography-tips/  vielleicht waren nicht die üblichen Tips wie „du mußt nur die richtige Kamera benutzen“ oder „drehe den Kontrast hoch und nenne es „preset street“ dort zu lesen? Ich hatte schon öfter Fotos von Martin Waltz im Netz angeschaut und fand viele seiner in Berlin fotografierten Szenen sehr ansprechend und intensiv. Mal sehen, was für Tips Martin zum Besten gab und als wie praxistauglich ich sie für meine Person befinden würde. Das kam dabei heraus: 

1.  ignore all tips on how to become a great street photographer

Basically you have to find your own way. List reading won’t help. Hitting the streets and shooting might.

okay. Ignorieren heiß ja nicht, dass ich sie nicht wenigstens lese … sagen lasse ich mir bekanntlich sowieso nur sehr wenig! ;-)

2.  observe the world around you mindfully

Photography is a visual art. You can not photograph, what you do not see. Do not obsess with “how do I photograph this?” rather look carefully and explore forms, shapes, lines, color and light of the world around you. Be mindful of your emotions. If something is triggering strong emotions, it might as well be a subject for strong photograph. Eventually the images will come to you.

erst mal googlen, was „mindfully“ wirklich ganz wörtlich bedeuted: aufmerksam (grummel, hätte ich eigentlich auch wissen können) Naja, klar beobachte ich die Umwelt aufmerksam, sonst würde ich doch nur wild in der Gegend herumknipsen und gar keine Motive entdecken, die mich ansprechen! Diese Motive an denen nicht nur mein Auge verharrt, sondern viel mehr mein Herz und mein Gefühl sagen: los los.... DIESER Moment ist es! So schön, so bedeutungsvoll, so bemerkenswert, humorvoll, intensiv …. 

3.  do not judge

Judging mind is closed mind. The creative mind is an open mind. You can not create and judge at the same time.If you want to create, you need stop judging. And for that reason when on the streets, ignore the photos you have already taken. Reviewing your images on the street will take you out of the creative zone.

ich soll es nicht bewerten, was ich fotografiere. Nö. Mach ich nicht. Nur in sofern, dass ich entscheide, ob die Situation, das Motiv „einfangenswert“ ist oder ob ich einfach nicht hinschaue. Aber nicht alles was ich nicht fotografiere ist deswegen schlecht oder uninteressant. Ich bewerte es nicht, ich verwerte es höchstens für meine Bilderpoesie. Und ich habe meine eigene Ethik, was ich aufnehme und was nicht. Menschen sollen immer ihre Würde behalten.

4.  study imaginary

Mankind has produced imagery for thousands of years. Study these images. Paintings, Photography (not only street photography), movies, tv series, music videos, ads. Go to museums and galleries, go to the movies. Absorb the visual world around you. If you want to shoot amazing stuff, you need to be visually literate. Or as my good friend Knut Skjærven asked “Have you got the brain for street photography”.  May be this is the most important street photography tip.

ich habe das für mich mal frei übersetzt, da ich sonst nicht weiterkam: trainiere Deine Vorstellungskraft. ...meine Vorstellungskraft meint sicher, dass ich mir vorstellen soll, wie das was ich sehe als Bild wirken wird. Oder doch eher ob das Bild dem Betrachter eine Geschichte erzählen würde? Schwierig...schwierig.

Ja, ich versuche immer, dass meine Bilder dem Betrachter eine Geschichte erzählen sollten, dass aber andererseits auch einfach der Betrachter mitgenommen wird, selbst  etwas  empfindet...

5.  study composition

Composition is a craft. When you want to shoot  epic shit, you simply need to know how fill the frame and how to arrange all items in the frame. That is what composition is about.

das versuche ich zu tun, wo immer es geht. Schaue mir Bücher über (Street)fotografie an, gehe wenn ich Zeit finde in postkarten 1Ausstellungen und schaue mir Bilder an, wenn möglich die, die richtig gut sind! (was allerdings im Netzt leider oft nicht geordnet ist in gute und den ganzen Müll, der einfach gepostet wird, ohne dass manch einer auch nur bereit scheint, irgendeine Qualitätsselektion bei seinen eigenen Bilder durchzuführen. Was dann bei mir in Abständen widerum zu einer Übersättigungsreaktion und einer mehr oder minder langen Bilder-Anschau-Abstinenz führt)

6.  new gear will not improve your photography

New gear is rarely the answer. Ask yourself this: “What kind of images will I take with <insert fancy piece of gear> that I can not take right now?” Buying new gear is fun and good for the economy, Do not expect your photography to improve, though.

stimmt. Ich mache jetzt seit 5 Jahren bewußt Streetfotografie mit den unterschiedlichsten Kameras, von einer kleinen Leica D-Lux 5 über eine Nikon D300s, Pentax K3, meine analoge Voigtländer oder meine jetzige Begleiterin die Fuji X-T1 und es gibt gute Bilder mit jeder Kamera. Für mich ist die Kamera einfach nur ein Werkzeug.

7. embrace failure

In street photography when you click, failure is the default outcome. Most street photographers I know reject way over 90% of their shots. Let me repeat: failure is normal, for masters and beginners alike. The master will study his failures, trying to learn from them. The beginner will publish their failures on social media. That is the difference

ganz wichtig. Am Anfang ist es mir oft gar nicht aufgefallen, wenn sich elementare Fehler in die Bilder eingeschlichen hatten, z.B. dass Objekte nicht richtig freigestellt waren und es jede Menge „Gewusel“ auf den Bildern gab. Heute habe ich einiges verinnerlicht und muss mir nicht mehr alles bewußt ins Gedächtnis rufen. Trotzdem passieren immer wieder Fehler, besonders bei der Streetfotografie weil man eben sehr häufig schnell reagieren muss um eine bestimmte Situation einzufangen und nicht die Zeit ist, das Bild so aktiv zu gestalten wie z. B. In der Studio- oder Landschaftsfotografie.

Zum Posten in den Social media: ja auch ich pampere mein Selbstbewusstsein ab und an durch Posten meiner Bilder. Trotzdem mache ich die Bilder, weil es mir Freude bereitet, diese Bilder zu machen. Ich verwerte meine Bilder auch, schätze sie wert in dem ich sie drucke, rahme, aufhänge, erstelle einen Bildband daraus, der auch als Ebook zur Verfügung steht und ich habe eine eigene Webseite. Und dieses Jahr hatte ich meine erste Ausstellung, in der über 700 Personen meine Bilder angeschaut haben. Das ist ein tolles Gefühl, seine eigene Bilderzusammenstellung in einer schönen Atmosphäre hängen zu sehen. Auch ohne berühmt zu sein.

8.  shoot a lot

Photography is much like piano playing or running, if you want to keep or even improve your form, you need to train on a very regular basis. There is no magic short cut here. And then as Henri cartier Bresson said: “You need to milk the cow a lot to get a little cheese.

Ohne Übung geht es auch hier nicht. Ich habe meine Kamera so gut wie immer dabei. Oft entstehen meine Bilder auf dem Flughafen oder in Städten wo ich beruflich zu tun habe. Da ich hauptberuflich etwas ganz anderes mache, muss ich meiner Leidenschaft dann nachgehen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Das ist bei mir oft „zwischendurch“. Meine Kollegen schmunzeln oft, wenn ich abends auf einer Tagung, wenn wir zum Abendessen in die Stadt gehen und ich wieder meine Kamera dabei habe...

9.  get outside feedback on your work

Judging your your own is a tough job. Get outside feedback. This does not mean share it on facebook and count like but ask somebody who you trust to give you an honest feedback.

Feedback zu meinen Bildern ist auch mir sehr wichtig. Es von kompetenten Personen zu bekommen ist schwierig. Ich habe ja das Glück einen professionellen Fotografen an meiner Seite zu haben, ansonsten habe ich leider wenige, die meine Bilder konstruktiv kritisieren.

10.  have something to say

Ask yourself what is your photography about? What is the message you want to convey? What attracts you? What is your visual style? Finding answers to these questions will help you find your very own way. That is what street photography tips can help you with.

Ich glaube, hier habe ich mich schon ein wenig gefunden. Ich möchte Poesie in Bildern darstellen. Die kleinen sonst unbemerkt bleibenden Momente festhalten, ästhetisch und poetisch. Nichts gestelltes oder arrangiertes, einfach das wahre Leben, aber nicht die reißerischen oder konstruierten Momente, eher die Momente, wo Gefühle eingefangen werden oder der Betrachter eine Geschichte „fühlt“.

FAZIT:  die 10 Tips sind richtig und jeder der ernsthaft Streetfotografie betreibt, sollte sich mit dem, was die Tips aussagen, beschäftigen. 

http://www.blurb.com/ebooks/446490-streetwalks-volume-1

http://www.blurb.com/ebooks/571018-streetwalks-vol-2